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Wärmewende im Bestand: Wie Transparenz Effizienzpotenziale erschließt

Das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung liegt vor. Es enthält Maßnahmen zur Förderung der Wärmewende und zur Unterstützung der Klimaziele im Gebäudesektor. Gleichzeitig weisen aktuelle Emissionsdaten des Umweltbundesamtes darauf hin, dass der Handlungsdruck hoch bleibt. Branchenverbände wie die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) sehen weiterhin zusätzlichen Handlungsbedarf, um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen. 

Dabei richtet sich der Blick häufig auf große Investitionen: neue Heizsysteme, umfassende energetische Sanierungen oder tiefgreifende Modernisierungen. Diese Maßnahmen können einen wichtigen Beitrag leisten, sind jedoch oft mit langen Planungs- und Umsetzungszeiträumen verbunden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Potenziale sich bereits heute im Gebäudebetrieb erschließen lassen. 

Zwei Männer vor einem Wohnhaus, einer zeigt nach rechts und erklärt etwas.

Die aktuellen Daten des Umweltbundesamtes verdeutlichen die Herausforderung: Die Emissionen des Gebäudesektors stiegen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente auf 103,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Auch im Verkehrssektor nahmen die Emissionen zu. Mit Blick auf die EU-Klimaschutzverordnung vergrößert sich die kumulierte Gesamtlücke Deutschlands für den Zeitraum 2021 bis 2030 laut Projektion auf 255 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Besonders relevant bleiben dabei Gebäude und Verkehr.  
Ein Teil des Emissionsanstiegs im Gebäudesektor wird auf die kühlere Witterung in der Heizperiode zurückgeführt. Die Zahlen machen jedoch auch deutlich, dass die Energieeffizienz im Gebäudebestand weiterhin eine zentrale Herausforderung bleibt. Die Frage lautet daher nicht nur, welche Technologien künftig installiert werden, sondern auch, wie bestehende Gebäude effizienter betrieben werden können.

Ein wesentlicher Hebel liegt im laufenden Betrieb von Gebäuden. Heizungsanlagen arbeiten nicht immer unter optimalen Bedingungen. Verbrauchsmuster bleiben häufig unentdeckt, Abweichungen im Anlagenbetrieb werden erst spät erkannt und vorhandene Effizienzpotenziale nicht vollständig genutzt. Um diese Potenziale systematisch zu erschließen, braucht es vor allem Transparenz über den tatsächlichen Zustand und die Nutzung von Gebäuden. Digitale Dateninfrastruktur wird damit zu einer wichtigen Voraussetzung für die Wärmewende im Bestand. 

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) bewertet das Klimaschutzprogramm 2026 vor diesem Hintergrund kritisch. Nach Einschätzung des Verbandes bleibt das Programm „im Gebäudesektor deutlich hinter dem Erforderlichen zurück“. Die DENEFF verweist darauf, dass das Programm zwar wichtige Maßnahmen enthält, darunter die Aufstockung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze, die Verstetigung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sowie ein angekündigtes Bundesgesetz zur energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude. Gleichzeitig sieht die Initiative weiterhin Lücken bei den Maßnahmen zur Emissionsminderung im Gebäudebereich. Kritisch bewertet sie unter anderem, dass das Programm aus ihrer Sicht nicht kompensiert, welche Anforderungen durch das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz zurückgenommen werden sollen. 

Effizienzpotenziale im Gebäudebetrieb erschließen

Neben Neubau und Sanierung gewinnt deshalb eine weitere Frage an Bedeutung: Wie lassen sich bestehende Gebäude effizienter betreiben? In vielen Liegenschaften fehlen dafür bislang die notwendigen Informationen über Anlagenzustände, Verbrauchsmuster und betriebliche Abweichungen. 
Heizungsanlagen laufen häufig auf Einstellungen, die vor Jahren festgelegt wurden. Hydraulische Abgleiche werden durchgeführt, anschließend jedoch nicht kontinuierlich überprüft oder angepasst. Hinzu kommen veränderte Nutzungsprofile und witterungsbedingte Einflüsse. Dadurch liegt häufig eine Lücke zwischen den theoretischen Annahmen der Planung und dem tatsächlichen Betrieb vor. Selbst Gebäude mit guten energetischen Kennwerten können deshalb in der Praxis höhere Verbräuche aufweisen als erwartet. 
Die Lücke zwischen Theorie und Praxis ist häufig auch eine Frage der verfügbaren Daten. Wer nicht weiß, wie eine Heizungsanlage tatsächlich arbeitet, kann Optimierungspotenziale nur schwer erkennen. Wer keine Vergleichsdaten hat, erkennt Abweichungen häufig erst spät. Dadurch bleiben Potenziale für geringinvestive Optimierungsmaßnahmen oft ungenutzt. 

Älterer Mann steuert per Smartphone-App die Temperatur in mehreren Wohnräumen.

Digitale Infrastruktur als Hebel 

Heizungsmonitoring, adaptive Steuerung und adaptive hydraulische Abgleiche sind längst im praktischen Einsatz. Sie ermöglichen einen kontinuierlichen Blick auf den Gebäudebetrieb und schaffen die Grundlage, um Heizungsanlagen bedarfsgerechter zu betreiben. Gebäude werden damit nicht mehr ausschließlich über feste Einstellungen gesteuert, sondern können stärker auf Witterung, Nutzung und Anlagenzustand reagieren. 
Förderprogramme und Investitionen bleiben wichtige Bausteine der Wärmewende. Gleichzeitig rückt die Frage in den Vordergrund, wie vorhandene Anlagen effizienter betrieben werden können. Der Hebel liegt dabei häufig nicht allein in der Anlagentechnik, sondern auch in ihrer Steuerung und kontinuierlichen Optimierung. Wann wird Wärme benötigt? Wie entwickelt sich der Verbrauch? Wo treten Abweichungen auf? Und welche Maßnahmen lassen sich daraus ableiten? 
Geringinvestive Maßnahmen können insbesondere dort wirksam sein, wo Transparenz über den Gebäudebetrieb vorhanden ist. Dafür braucht es Daten – und die Fähigkeit, aus ihnen konkrete Handlungsschritte abzuleiten. 

Interoperabilität als Grundlage eines digitalen Ökosystems 

Eine grundlegende Erkenntnis wird in der Diskussion um die Wärmewende häufig unterschätzt: Klimaschutz und Effizienz im Gebäudebestand sind selten die Frage einer einzelnen Technologie. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Systeme und Akteure. Eine smarte Thermostatlösung wie das „Smarte Heizen“ entfaltet sein Potenzial nur dann vollständig, wenn es mit der Heizungsanlage und den vorhandenen Steuerungsprozessen abgestimmt ist. Ebenso liefert ein Heizungsmonitoring erst dann einen Mehrwert, wenn die gewonnenen Daten in Entscheidungen über Instandhaltung, Betriebsoptimierung und Investitionen einfließen. 
Interoperabilität wird damit zu einer wichtigen Voraussetzung für Effizienz. Erst wenn Sensorik, Datenplattformen, Steuerungslösungen und betriebliche Prozesse miteinander verbunden werden, entsteht ein digitales Ökosystem, das Transparenz schafft und Optimierung ermöglicht. 
Auch der Quartiersansatz, der im aktuellen Impulspapier des Roundtable Wärmewende als wichtiger Baustein der Transformation hervorgehoben wird, setzt letztlich eine belastbare Datenbasis auf Gebäudeebene voraus. Denn sektorübergreifende Lösungen können ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn Verbrauchs-, Betriebs- und Anlagendaten verfügbar und sinnvoll nutzbar sind. 

Mann installiert smartes Heizkörper-Thermostat neben Digitaluhr im Wohnzimmer

Was jetzt zählt 

Unabhängig von der weiteren politischen Ausgestaltung der Wärmewende stellt sich für Wohnungsunternehmen eine konkrete Aufgabe: Effizienzpotenziale im Bestand systematisch sichtbar und nutzbar zu machen. 
Dafür braucht es belastbare Daten über den Gebäudebetrieb, die Fähigkeit, daraus Handlungsoptionen abzuleiten, und Prozesse, mit denen Optimierungsmaßnahmen kontinuierlich umgesetzt werden können. 

Die Klimaschutzziele im Gebäudesektor werden letztlich in einzelnen Gebäuden erreicht – durch zahlreiche operative Entscheidungen im laufenden Betrieb. Digitale Infrastruktur schafft dafür die notwendige Transparenz und bildet die Grundlage für einen effizienteren Umgang mit Energie im Bestand.

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Mann im Anzug mit Brille steht vor Glaswand mit bunten Haftnotizen

Thomas Ahlborn

Head of Corporate Marketing, noventic group

Seit 2013 ist Thomas Ahlborn in unterschiedlichen Positionen für die Unternehmen der noventic group tätig – mit einem thematischen Fokus auf neue Versorgungskonzepte für Quartiere und Gebäude.

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