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Themenbeitrag

Berliner Energietage 21: Renovation Wave und Digitalisierung

Welche Ziele die EU mit der Renovation Wave verfolgt und wie sich diese auf die deutsche Wohnungswirtschaft auswirkt, beschreibt Stefan Moser von der EU Kommission in der von der noventic group organisierten Podiumsdiskussion im Rahmen der diesjährigen Berliner Energietage. Babette Peulicke Slott vom Danish Technological Institute mahnt dabei an, den Bewohner nicht aus dem Blick zu verlieren. Wie das geht? Andreas von Wissel, Geschäftsführer hält Antworten bereit: Warum die digitale Infrastruktur Smart Meter Gateway Schlüssel zu energieeffizienten Gebäuden ist, erfahren Sie hier.

Ein entscheidender Punkt der Mitte Oktober 2020 von der EU-Kommission im Rahmen des Green Deal auf den Weg gebrachten Renovierungswelle für Gebäude (Renovation Wave) ist es, den Verbrauch des Gebäudesektors, einer der größten Emittenten in Europa, zu reduzieren.

Im Hinblick auf die aktuelle RennovierungsquoteAktuell werden nur 1% der Gebäude pro Jahr energietechnisch optimiert. Laut Stefan Moser gilt es, hier anzusetzen und die Sanierungsrate bis 2030 auf 2% Prozent zu verdoppeln. der bestandsgebäude und der ambitionierten KlimazieleCO2-Einsparung von 55% im Vergleich zu 1990 hat dabei laut Moser die Digitalisierung eine besondere Bedeutung. Wenn Digitalisierung uns dabei hilft, Daten präzise und hochfrequent zu erfassen und zu sammeln, müssen wir uns die Frage stellen: „Wie können wir also die gesammelten Daten einsetzen, um Energieverbräuche im Gebäude optimal zu steuern?“.

Neben der Einführung verbindlicher Mindeststandards für die Gesamtenergieeffizienz bestehender Gebäude, zählt daher auch die Einführung eines Smart Readiness Indicator als Richtgröße zur Messung der Intelligenzfähigkeit von Gebäuden – also der Möglichkeit digitale Systeme und Dienstleistungen anzuschließen – zu den vorgesehenen Maßnahmen. Für Stefan Moser ist jedoch klar, dass auch das Verbrauchsverhalten der Bewohner für die Zielerreichung extrem wichtig ist.

Wie können wir also die gesammelten Daten einsetzen, um die Energieverbräuche im Gebäude optimal zu steuern?

Genau das kann die Energieanthropologin, Babette Peulicke Slott, nur bestätigen. „Technologie ist nicht alles – wir müssen immer auch den Bewohner in den Fokus stellen“, sagt sie. Ein interdisziplinärer Ansatz kombiniere Technologie und Anthropologie und nutze alle vorliegenden Daten, um das tatsächliche Energieeinsparpotential eines Gebäudes zu realisieren.

Damit lasse sich laut Peulicke Slott den beiden Hauptproblemen im Rahmen von Gebäudesanierungen begegnen: Performance Gap und Rebound Effect. Performance Gap beschreibe die Lücke, die entstehe, wenn vorab berechnete Energieeinsparungen im Gebäudebetrieb nicht erreicht würden. Der Rebound Effect entstehe, wenn Bewohner in energieoptimierten Gebäuden – meist unbewusst – ihren Energieverbrauch erhöhtenBeispielsweise, indem sie nicht genutzte Räume mehr beheizten oder Fenster offenstünden lassen, weil sie von einer geringen Energiebilanz ausgingen. Beispielhaft benennt sie Flächennutzungsplänen (in Bürogebäuden) oder Energieverbrauchsvisualisierungen (in Mietwohnungen), mit denen in Dänemark gute Erfahrungen gemacht wurden. „Energieverbrauchsdaten zu visualisieren kann helfen, den eigenen Verbrauch zu reflektieren und zu reduzieren”, beschreibt die Energieanthropologin.

Technologie ist nicht alles – wir müssen immer auch den Bewohner in den Fokus stellen

Mit Blick auf Lösungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, betont Andreas von Wissel: Diese sollten unter anderem dazu beitragen, Branchen zusammenzuführen, etwa die Wohnungswirtschaft und Energieversorger. Als Betreiber intelligenter Messsysteme fordert der Geschäftsführer der imovis mit Blick auf den Smart Meter Rollout: „Wir haben die Technologie und sind bereit jetzt anzufangen. Lasst uns die Potenziale ausschöpfen und jetzt die ersten Schritte gehen.“

Wir haben die Technologie und sind bereit jetzt anzufangen.

Dabei ist auch der Aufbau von Digital-Know-how in der Branche ein nicht zu unterschätzendes Thema. „Wir bauen die entsprechenden Kompetenzen auf, um der Wohnungswirtschaft wirklich weiterzuhelfen und die Angst vor der Komplexität zu nehmen“, betont von Wissel neben diversen anderen Punkten in der Diskussionsrunde.

Die Podiumsdiskussion in voller Länge sehen Sie hier: