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Themenbeitrag
Jan-Christoph Maiwaldt

„Digitalisierung als Motor für Nachhaltigkeit“

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat gestern das neue Hauptgutachten „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“ vorgestellt. Wesentliche Aspekte des Gutachtens sind die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die zentrale Forderung: den digitalen Wandel so zu gestalten, dass er als Hebel und Unterstützung für Nachhaltigkeit dient. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kommentiert: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie sollte als Motor für mehr Nachhaltigkeit dienen“. Die Digitalisierung birgt ein riesiges Potential für den Umweltschutz. Um dieses auszuschöpfen, braucht sie die richtigen Leitplanken: für den Zugang und den Schutz von Daten, für den Umgang mit und die Entsorgung von Rohstoffen, für das Schließen von Stoffkreisläufen. Geschäftsführer Jan-Christoph Maiwaldt bezieht Stellung und skizziert die Chancen, die durch die Digitalisierung auf Wohnungs- und Energiewirtschaft zukommen.

Digitalisierung und Klimaschutz sind ein großes Thema – auch in der Immobilienwirtschaft. Die aktuelle Veröffentlichung des WBGU bestätigt diese Relevanz. Herr Maiwaldt, welche Bedeutung hat die Digitalisierung im Hinblick auf das Erreichen der Klimaschutzziele im Gebäudesektor?

Das neue WBGU Gutachten bestätigt unsere Einschätzung: wir glauben, dass die Digitalisierung einer der zentralen Erfolgsfaktoren im Klimaschutz sein wird. Wenn wir bei der Entwicklung von digitalen Innovationen technologieoffen vorangehen, werden sich die Lösungen mit dem größten Mehrwert für Nutzer und Umwelt durchsetzen – und wir schaffen es, pro investiertem Klimaschutz-Euro einen maximalen CO2 Einsparungseffekt zu erzielen.

Konkret heißt das für uns als noventic group, Bewohnern und Bestandshaltern durch messtechnisch erreichte Transparenz einen bewussteren Umgang mit Energie zu vermitteln – damit sie sich selbst in die großen Fragen wie Klimawandel und Ressourceneffizienz aktiv einbringen können. Mit unseren Tochterunternehmen haben wir uns auf diesen Weg gemacht. Unser erster Schritt ist die Schaffung einer Datenplattform und deren Vernetzung mit den vielteiligen Messpunkten in den Gebäuden.

Und was sind die nächsten konkreten Schritte, die Sie auf diesem Weg zur noventic Plattformlösung gehen?

Unsere Plattformlösung kann über eine standardisierte Schnittstelle mit den Anwendungen unserer Kunden und Partner verbunden werden. Sie ermöglicht, die heute bekannten wohnungswirtschaftlichen Geschäftsmodelle in den Bereichen Verbrauchsdatenerfassung und Betriebskostenabrechnung zu digitalisieren. Zudem bietet sie die Chance, die Abrechnungsprozesse – etwa die des Submeterings – in die eigene Systemlandschaft zu integrieren. Damit machen sich unsere Kunden unsere in 60 Jahren KALO erworbene Expertise im Bereich der Verbrauchsdatenerfassung und -abrechnung zu eigen. Sie bekommen die Chance, sich wiederum bei ihren Kunden als vollintegrierter Servicedienstleister zu positionieren.

Was sollen sich Nutzer von der Zusammenführung und Sammlung von Gebäudedaten auf einer zentralen Plattform versprechen?

Mit der Verknüpfung von Mess- und Daten-Infrastrukturen mit unserer Plattformlösung, mit der spartenübergreifenden Aggregation von Gebäudedaten schaffen wir die Grundvoraussetzung für eine effiziente Vermeidung von Ressourcenverschwendung durch Anwendungen. Diese Maßnahmen im geringinvestiven Bereich – die Vernetzung von bereits Bestehendem – flankieren und sichern die Erfolge der hochinvestiven Klimaschutzmaßnahmen.

Darüber lassen sich vielfältige Mehrwerte heben: Zum einen werden Nutzer durch smarte Anwendungen wie eine App, über die ihr Verbrauchsverhalten unmittelbar auslesen werden kann, dazu befähigt das eigene Nutzungsverhalten zu erkennen. Grundvoraussetzung, um die eigenen Verhaltensmuster zu hinterfragen oder herauszufordern: Will ich CO2-Emissionen vermeiden? Will ich Geld sparen? Will ich mich mit dem Durchschnittsverbrauch in meinem Quartier messen? Für Bestandshalter erfreulich: Damit erfüllen sie alle Voraussetzungen für die ab 2020 durch die in der EED vorgeschriebene unterjährige Verbrauchsinformation. Auf der Ebene der Machine-to-Machine-Kommunikation können wir mit den Daten die Bereitstellung von Energie im Gebäude punktgenau optimieren. Das sieht dann etwa so aus, dass Wetterprognosen und die individuellen Energiebedarfe in die Betriebsführung von dezentralen Energiebereitstellungsanlagen mit einbeziehen.

Die Vernetzung bereits existierender Daten erlaubt es, Effizienzen zu heben. Herr Maiwaldt, welche Vorteile bietet die neue Plattformökonomie noch?

Über die noventic-Plattform können neue Anwendungen ohne viel Aufwand geschaffen werden. Zusammen mit anderen Plattformen kann ein erheblicher Nutzen über die Energieeffizienz hinaus für die Kunden erzielt werden. So könnte beispielsweise eine Quartiers-App entstehen, die neben Daten des örtlichen Verkehrsverbundes auch das Konto der Bücherhalle und eben die aktuelle Temperatur beziehungsweise den Energieverbrauch in den eigenen vier Wänden anzeigt.

Die Digitalisierung von Gebäudeinfrastrukturen ermöglicht die Anbindung smarter Anwendungen und schafft Mehrwerte für die Bewohner. Wo gibt es das bereits in der Praxis?

Beispielsweise in Rüsselsheim. Hier ist aus einem alten Bürogebäude ein attraktives, voll digitalisiertes Wohngebäude entstanden. Wir durften für unseren Kunden, dem Immobilienentwickler DIWO Living, die Mess-Infrastruktur spartenübergreifend aufbauen – von der Sensorik bis zur Datenplattform. Die Mieter haben über eine App jederzeit Einblick in ihre Verbräuche. Der Vermieter profitiert von schnelleren und einfacheren Abrechnungsprozesse – vor allem beim Mieterwechsel. Zudem eröffnet die App einen direkten Kommunikationskanal zwischen Vermieter und Mieter. Letztlich erfüllt auch die in Rüsselsheim verbaute Infrastruktur alle Voraussetzungen für die ab 2020 gesetzlich geforderte unterjährige Informationspflicht zum Verbrauch. Auf Basis der verbauten Infrastruktur können künftig noch weitere Anwendungen im Bereich Smart Building angebunden werden: Für die Gebäudeverwaltung ergibt sich beispielsweise die Möglichkeit, über Algorithmen ein Leckage-Frühwarnsystem zu etablieren und so die Bausubstanz zu schützen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.